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Lille, Kathedrale Notre-Dame de la Treille
Das neoklassizistische Instrument wurde zwischen 1957 und 1966 von Danion-Gonzalez für die Maison de la Radio in Paris, Studio 104, nach einer von Gaston Litaize entworfenen Disposition gebaut.

Für die Diözese in Lille bot sich 2006 anlässlich der Renovierungsarbeiten am Gebäude von Radio France in Paris die Gelegenheit, die große Rundfunkorgel aus dem Studio 104 zu erwerben. Es handelt sich um das viertgrößte Instrument Frankreichs nach denen von Notre-Dame, Saint-Sulpice und Saint-Eustache in Paris.
Das neoklassizistische Instrument war von 1957 bis 1966 nach einem Dispositionsentwurf von Gaston Litaize durch der Firma Danion-Gonzalez erbaut und 1967 durch Litaize persönlich eingeweiht worden. Es erlangte wegen der dort in den 1970er bis 1990er Jahre regelmäßig stattfindenden Orgelkonzerte relative Bekanntheit.
Von 1987 bis 1989 überarbeitete Bernard Dargassies gemeinsam mit Georges Danion die Orgel. Im Zuge dieser Arbeiten wurden die Mensuren der Grundstimmen erweitert, indem man das Pfeifenwerk auf den Windladen um mehrere Halbtöne nach oben aufrückte. Insgesamt war damals dadurch - laut Auskunft des Orgelbauers Bernard Dargassies - die Neuanfertigung von etwa 500 großen Metallpfeifen in der Basslage erforderlich geworden – ein nicht unerheblicher Materialaufwand und ein Kostenfaktor, der allerdings dem Klangvolumen der bis dahin durchaus nicht unumstrittenen Orgel sehr zuträglich war.
2007 wurde das Instrument für den symbolischen Preis von einem Euro erworben. Mit der Neuinstallation in der Kathedrale von Lille wurde die Firma Johannes Klais aus Bonn beauftragt, die den Aufbau der Orgel wesentlich umstruktuieren mußte, um ihn den dortigen räumlichen Gegebenheiten anzupassen. Das Instrument wurde dabei gänzlich in seiner klanglichen Ästhetik respektiert und die Intonation weitestgehend unverändert gelassen.
Am 1. April 2008 wurde die Orgel offiziell einer Gruppe von Organisten vorgestellt, darunter Jean Guillou und der Titularorganist der Kathedrale, André Dubois. Anschließend wurde das Instrument vom neuen Erzbischof von Lille, Mgr. Laurent Ulrich, nach traditionellem Ritus gesegnet.
Winfried Bönig, Kölner Domorganist, und Jean Guillou, Titularorganist der Kirche Saint-Eustache in Paris, weihten die Orgel am 7. und 8. Juni 2008 im Rahmen von zwei Konzerten offiziell ein.