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Bonsecours, Basilika Notre-Dame
Eine neue Aristide-Cavaillé-Coll-Orgel für die Basilika Notre-Dame in Bonsecours nahe Rouen

Aristide Cavaillé-Coll lieferte im November 1857 ein zweimanualiges, 22-registriges Instrument (14 Stimmen im Haupt- werk sowie acht im Récit, bei nur angekoppeltem Pedal, aus Kostengründen ohne eigene Register) für die 1844 vollendete Basilika Notre-Dame in Bonsecours bei Rouen. Es wurde am 20. November 1857 durch Louis James Alfred Lefébure-Wély, dem Organisten der Madeleine in Paris, eingeweiht.

Die Orgel hatte einen Spielschrank und kam vollkommen ohne Barkerhebel aus. Ihr aufwendig gestalteter neogotischer Prospekt aus farbig gefaßter Eiche wurde nach einer Zeichnung des Père Arthur Martin erbaut und beherbergt die Basspfeifen von fünf Registern, nämlich von Montre 8’, Flûte harmonique 8’, Salicional 8’, Viole de Gambe 8’-16’ (deren erste Oktave ein 8’ ist) und von Prestant 4’. Für die Prospektpfeifen und Basstöne verwendete Cavaillé-Coll Kegelladen. Dieses Instruments war somit das erste bedeuten- de der Firma in der Gegend von Rouen.

1868 führte Cavaillé-Coll für 1000 Francs Wartungsarbeiten durch. 1879 schließlich baute er für weitere 7000 Francs ein selbstständiges Pedal mit vier Registern ein (Contrebasse 16’, Basse 8’, Bombarde 16’, Trompette 8’).

In den Jahren 1888-89 führte Cavaillé-Coll im Rahmen einer erneuten Wartung umfangreiche Maßnahmen durch, die dem Instrument von 1857 einen deutlich „symphonischeren“ Charakter verleihen, wie er ihn in seiner letzten Schaffens- periode favorisierte. Diese Arbeiten kosteten 8900 Francs:

- er vergrößerte den Schwellkasten, um seitlich drei weitere Register hinzufügen zu können,

- er führte eine Nachintonation durch und ließ Teile des Pfeifenwerks mit Expressionsschlitzen nachrüsten,

- er baute unterhalb der Orgelbank und in das (blinde) Rückpositivgehäuse eine Barkermaschine ein, sowie ein weiteres Manual als Koppelmanual.

Das Wiedereinweihungskonzert spielte am 7. November 1889 Charles-Marie Widor, der damalige Titularorganist von Saint-Sulpice in Paris.

Weitere Eingriffe erfolgten 1928 durch die Manufacture d’orgues Cavaillé-Coll-Mutin Auguste Convers & Cie und 1954 durch die Firma Beuchet-Debierre aus Nantes. Das Register Progression harmonique wurde in ein 4-faches Plein-jeu umgebaut und auf dem Hauptwerk eine Tierce hinzugefügt. Außerdem erhielt das Schwellwerk ein 4-faches Plein-jeu. Manual- und Pedalumfang wurden mittels pneumatischer Ansteuerung zusätzlicher Pfeifen auf 56 bzw. 30 Töne erweitert. Im Zuge der Arbeiten von 1954 nahm der Intonateur Jean Perroux Nachintona- tionen mehrerer Register vor. Marcel Dupré spielte das Einweihungskonzert.

Im September 1997 wurde die Orgel unter Denkmalschutz gestellt und 1999/2000 von der Manufacture Jean Renaud-Menoret restauriert. Die Intonation nahm die Manufacture d’orgues Lacorre et Robert vor. Das Lastenheft für diese Restaurierung sah eine Rückführung des Instruments auf den Cavaillé-Coll'schen Zustand von 1889 vor, bei gleichzeitiger Beibehaltung des Manual- und Pedalumfangs, was durch Einschieben der zusätzlichen Pfeifen auf den Windladen ermöglicht werden konnte.