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Köln-Mülheim
Gerald Woehl (Marburg) gehört zu den bedeutenden Orgelbauern mit repräsentativen Orgelbauten weltweit. Zu den wohl wichtigsten Orgel-Neubauten der jüngeren Zeit aus der Werkstatt Woehl zählen die Orgel in der Thomaskirche zu Leipzig und die Orgel in der Hildesheimer St. Michaeliskirche. Nach einem Ideenwettbewerb unter namhaften Orgelbauern hat sich das Presbyterium der Friedenskirchgemeinde Köln-Mülheim zur Vergabe des Auftrags für den Bau einer neuen Orgel an die Firma Woehl Orgel Projekte entschieden.

Das Instrument wurde vom Typus der früh- und hochromantischen Orgel inspiriert und stellt eine Neu-Interpretation ihres orchestralen Prinzips dar. Mit ihren charakteristischen Streicher-, Flöten- und Zungenfarben und dem gravitätischen Plenum, das sich unendlich abstufen lässt, eignet sie sich ideal zur Darstellung der ausgewählten Kompositionen und Bearbeitungen.

Dass mit dem Neubau der Orgel in der Friedenskirche im Jahr 2017 eine letzte Kriegswunde in der Geschichte Mülheims und seiner Gemeinde geschlossen wurde, dürfte als letzter Akt einer Vielzahl von Zerstörungen und Wiederaufbauten in die Geschichte eingehen. Die Evangelische Gemeinde Mülheim am Rhein ist die älteste evangelische Gemeinde auf Kölner Boden. Im Jahre 2010 konnte sie ihr 400jähriges Bestehen feiern. Ähnlich bewegt wie die Geschichte der Gemeinde, ist auch die Geschichte ihrer Kirchenbauten. 1786 fand die Einweihung der neuen Kirche (Friedenskirche) an der heutigen Wallstraße 70-72 statt, die nach den Plänen des Baumeisters Helwig errichtet worden war. Der Grundriss der Kirche bildet das Kreuz im Kreis ab. Die ursprüngliche Orgel befand sich seit 1791 an der Ostseite der Kirche; das Werk mit 27 Registern von Orgelbauer Christian Kleine war über Altar und Kanzel aufgestellt.

Das neue Instrument der Firma Woehl Orgel Projekte in der Friedenskirche ist in vielfacher Hinsicht besonders. Hinter den sechs Pfeifenfeldern und fünf mächtigen Pfeifentürmen im Prospekt, wovon der mittlere Turm in Zukunft einmal die Figur des König David aus der Vorkriegsorgel der Friedenskirche zitieren soll, verbergen sich circa 1.800 Pfeifen. Die Gestaltung des Prospektes greift die Breite der alten Orgel von 1791 auf.

In seiner Vollendung erklingt das Werk als Synthese aus strenger handwerklicher Kunst und bedeutendem orgelbautechnischem Wissen, gepaart mit einer Intonationskunst, die die Klänge genau auf den Raum abstimmt. Zu den modernen Elementen gehört die Elektronik, die den Wechsel der einzelnen Klangfarben (Register) in kürzester Geschwindigkeit zulässt.

Die Orgel besitzt zwei Manualklaviaturen und eine Pedalklaviatur. Neben dem Hauptwerk ist hinter den Prospektpfeifen, die die Fassade bilden, ein Schwellwerk. Es ermöglicht, den Klang innerhalb kürzester Zeit vom leisesten Pianissimo-Klang bis zum lautesten, gravitätischen Forte anschwellen zu lassen. Die Vorbereitung und Speicherung verschiedener Klangkombinationen geschieht durch eine elektronische Schaltung. Gleichzeitig kann man die Windanlage, die aus vier Bälgen besteht, auch drosseln, und somit vollkommen moderne, unheimliche Klänge erzeugen. Darüber hinaus ist das Werk auch MIDI-fähig und folgende Generationen von Organisten können andere elektronische Klangkomponenten damit kombinieren. Alle diese Komponenten zusammen genommen mit der bereits angesprochenen Intonationskunst, also der Abstimmung auf den Kirchenraum, begründen das Besondere und die Einzigartigkeit dieses Orgelneubaus.