alt-tag
Jeanne Demessieux
1921 - 1968
Jeanne Demessieux war eine der ersten Botschafterinnen der französischen Orgeltradition in den USA, wohin sie zunächst 1953, dann 1955 und 1958 reist und große Erfolge feiert.

Sie wurde am 13. Februar 1921 in Montpellier geboren und interessiert sich zunächst für die Violine, unternimmt im Alter von drei Jahren gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Yolande ihre ersten Gehversuche am Klavier, komponiert ihre ersten Klavierstücke mit fünf und tritt 1928 in das Konservatorium von Montpellier ein.

Die Familie zieht 1932 nach Paris um. Dort erhält Jeanne Demessieux Unterricht bei Lazare Levy, der sie wiederum Lélia Gousseau anvertraut, die den Werdegang verfolgt, den sie in der Klasse von Simon Riera am Nationalkonservatorium nimmt. Sie setzt ihre Studien an diesem Institut fort und bekleidet dabei ab 1933 gleichzeitig das Organistenamt an der Eglise du Saint-Esprit an der Avenue Daumesnil. Ihre Fächer sind zunächst Harmonielehre, dann Fuge und Komposition. Im Anschluß an ihre Begegnung mit Marcel Dupré (1936), der ihr Mentor werden wird, widmet sie sich fast ausschließlich den Fächern Orgel und Improvisation, weshalb es ihr schon 1941 gelingt, einen Premier Prix zu erlangen.

Eine stattliche Ansammlung von Auszeichnungen läßt sie eine glänzende Zukunft erwarten, zumal die Zeit der Besatzung Frankreichs durch deutsches Militär das musikalische Leben deutlich einschränkt, ein Umstand der es ihr wiederum erlaubt, bis zu acht oder neun Stunden täglich zu üben, um ihre Technik zu perfektionieren und auf ein bislang unerreichtes Niveau zu gelangen.

1946 gibt sie eine Reihe denkwürdiger Konzerte an der Orgel der „Salle Pleyel”, im Zuge derer sie zunächst ihre „Sechs Etüden” sielt, um dann eine viersätzige Symphonie zu improvisieren. Bis 1948 gibt sie dort insgesamt zwölf historische Konzerte, im Rahmen derer sie Bachs sämtliche Triosonaten, die großen Choralvorspiele, alle Toccaten, Präludien und Fugen, mehrere wichtige Werke ihres Lehrers und ihrer Zeitgenossen sowie die Gesamtwerke von Mendelssohn, Liszt und Franck zu Gehör bringt.

Nach mehreren Konzertreisen in Europa (Frankreich, England, Deutschland, Niederlande) ist sie – nach der heute völlig in Vergessenheit geratenen Renée Nizan, der ersten orgelspielenden Frau, die ab 1931/32 in Übersee auftrat – eine der ersten Botschafterinnen der französischen Orgeltradition in den USA, wohin sie zunächst 1953, dann 1955 und 1958 reist und große Erfolge feiert.

1962 wird sie zur Titularorganistin der Madeleine ernannt, an deren Orgel sie bereits wenige Jahre zuvor eine beachtenswerte Gesamteinspielung der Orgelwerke César Francks aufgenommen hatte (Grand Prix du disque 1960). Ferner widmet sie einen Teil ihrer Zeit dem Unterrichten: ab 1950 ist sie Orgelprofessorin am Konservatorium von Nancy, zwei jahre später wechselt sie an das Konservatorium von Lüttich. Sie erliegt am 11. November 1968 im Alter von nur 47 Jahren einer Krebserkrankung.