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Flor Peeters
1903 - 1986
Flor Peeters darf als die prominenteste Figur der belgischen Orgelwelt im 20. Jahrhundert angesehen werden.

Er wurde am 4.Juli 1903 in Tielen in der Region Kempen geboren und verstarb auf den Tag genau 83 Jahre später in Antwerpen. Bereits im Kindesalter kam er mit der Orgel in Berührung, denn sein Vater war Organist der Kirche in Tielen. Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1910 übernahm Flor Peeters’ älterer Bruder Emiel diesen Posten. Es war auch der Bruder, der ihn 1919 in die von Lemmens gegründete Musikschule von Mechelen eingeschrieb. Obwohl das Studium an diesem Lemmens-Institut normalerweise acht Jahre dauerte, wurde Flor Peeters bereits nach vier Jahren der Lemmens-Tinel-Preis mit Auszeichnung und Gratulation der Jury zuerkannt.

Daß er sein Studium mit so hoher Geschwindigkeit absolvieren konnte, hat Peeters selbst zufolge mit der Tatsache zu tun, dass er in den Vorjahren bereits zweimal pro Woche Orgelunterricht bei Jef Brandt, dem Organisten von Turnhout, genommen hatte, der selbst ein Absolvent des Lemmens-Instituts war.

Kurz nach Abschluss seines Studiums im Jahre 1923 nahm die steile Karriere des jungen Organisten ihren Lauf. Er war 22, als er nach dem Tod seines Orgellehrers Oscar Depuydt zum Titularorganisten der Kathedrale von St.Rombout und zum Orgellehrer am Lemmens-Institut ernannt wurde.

Angaben von seinem Sohn Guido Peeters zufolge, der zusammen mit Raymond Schroyens eine umfangreiche Biografie über seinen Vater verfaßt hat, gab Flor Peeters insgesamt 1.143 Orgelkonzerte, 253 davon in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Als Pädagoge hat Flor Peeters in Mechelen, Gent, Antwerpen und Tilburg eine neue Generation von Organisten ausgebildet.

In seiner Eigenschaft als Komponist hat Flor Peeters allein etwa 36 Stunden Orgelmusik komponiert. Das entspricht den Gesamtwerken von Dupré, Messiaen und Tournemire zusammengenommen.

Trotz seiner Verbundenheit mit der französischen Orgelmusik seiner Zeit entwickelte Flor Peeters einen sehr persönlichen Stil. Für Raymond Schroyens besteht dieser in einer Verbindung von romanischem Geist mit deutschem Genius. Peeters’ Sohn Guido beschreibt den Kompositionsstil seines Vaters wie folgt: “Seine Kompo- sitionen sind stark durch die Gregorianik geprägt. Er bevorzugte klassische Formen, aber auch den Gebrauch von Polyrhytmik und Mehrtonalität und ab 1966 auch gelegentlich Atonalität. Ästhetisch ist seine Musik durch die späte Virtuosität César Francks über eine Neoklassizistische Vitalität bis zu einer ganz persönlichen Tonsprache beeinfußt.”