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Vaudry-Cembalo (1681, Victoria & Albert Museum)
Das Vaudry-Cembalo im V&A Museum in London zählt zu den bekanntesten erhaltenen spielbaren Cembali der Welt. Unzählige Male wurde es von heutigen Cembalobauern als Vorbild genommen für Nachbauten eines frühen französischen Typs, wohl seines seltenen, weitgehend unverfälschten Erhaltungszustandes wegen. Die AEOLUS-Aufnahme ist das einzige erhältliche Tondokument dieses Instruments.

Das Cembalo nennt auf der Dockenleiste stolz seinen Urheber: „Vaudry a Paris 1681“. Vaudry besaß anscheinend eine Werkstatt in Paris und wurde einer gewissen Tradition zufolge „höfischer Instrumentmacher“ genannt. Dies scheint gut möglich, weil Jean-Antoine Vaudry, der um 1680-1750 lebte und wahrscheinlich ein jüngerer Verwandter unseres Cembalobauers war, „seul maitre faiseur d’instruments du Roi“ war.

Das ca. 2,17 m lange Instrument zeigt zahlreiche, für die französische Cembalobauweise des 17. Jahrhunderts charakteristische Elemente. Andererseits kann man eine überraschende Nähe zur Lautenkonstruktion feststellen anhand des aufwändigen Systems schlanker Rippen, wie es ansonsten im Cembalobau unbekannt ist.

Es gibt drei Saitenchöre, 8’ und 4’ auf dem unteren Manual und einen 8’ auf dem oberen, mit einer originalen Manualkoppel. Entsprechend einiger Saiten, welche auf dem Instrument noch vorhanden waren, als es vom Museum erworben wurde, wurde es mit Messing und Eisen besaitet. Stimmton ist der altfranzösische ton de chapelle von a´= 392 Hz.

Der Umstand, daß das Instrument über viele Generationen in einem großen château geradezu „vergessen“ wurde, erwies sich als beste Garantie für einen guten Erhaltungszustand, mit dem Ergebnis, daß es sogar noch seine Original-Springer besitzt. Eine offensichtliche Änderung stellt die grobe Überbemalung der Innenseite dar: sie wurde in Rot und Gold ausgeführt – gemäß der Farbgestaltung des Zimmers im Schloss Savigny-les-Beaune.